Mein Platz?

Wo ist der Platz, an dem Gott mich will? Das ist eine Frage, die mich schon seit sehr langer Zeit beschäftigt. Als ich ca 20 Jahre alt war (uuups – ist das wirklich schon sooo lange her?) hat Gott mir in seiner Gnade gezeigt wer er ist. Noch besser: er hat mir die Heilstat Jesu erklärt. Ich habe mich bekehrt.

Nun ja ich bin leider kein gutes Kind und immer wieder weggelaufen. Habe mich widersetzt, ihn ignoriert, verletzt. Das ich mir dabei eigentlich nur selber geschadet habe, habe ich erst viel später bemerkt. Gott ist ein guter Vater voller Liebe – und daher hat er mich nicht aufgegeben, sondern mir mal wieder geholfen. Er hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt wie weit ich mich von ihm entfernt habe.

Doch während der ganzen Zeit – egal ob ich Gott nahe war oder ferne – habe ich eigentlich die katholische Kirche und deren Gläubige in eine Ecke verdammt. Ich bin katholisch getauft und erzogen. Doch bekehrt wurde ich von „freien Christen“. Und nach meiner Bekehrung war für mich die katholische Kirche so etwas wie eine Sekte.

So ca 10 Jahre lang empfing ich keine Eucharistie mehr. Durch meine Unentschlossenheit und meine Ungehorsam hatte ich keine Gemeinde mehr, denn die Katholiken mied ich und bei den „anderen“ fand ich irgendwie keine Heimat. Ich fühlte mich wie ein Geschwür außerhalb des Leibes Christi.

Im Jahr 2008 sollte alles anders werden. Ich wollte eine Gemeinde, ich wollte über Gottes Wort reden, ich wollte geistlich wachsen, mich engagieren. Ich suchte nach Gemeinden in meiner Nähe und wurde auch fündig. Es gab 2 FEG Gemeinden etwas 25 km von mir entfernt. Ich besuchte einige Gottesdienste, doch mein Herz blieb kalt. Ich hatte das „Gefühl“, als wollte Gott mich nicht an diesem Platz haben. Ich war verwirrt.

In dieser Zeit teilte Stef in seinem Blog mit, dass er sich wieder der katholischen Gemeinde zuwenden wird. Ich war geschockt. Wieso bei den Katholiken? Sowohl in seinem, als auch in den Blogs bei Bento und Philip wurde eifrig diskutiert.

Ich stellte mir plötzlich die Frage, ob Katholiken Christen nach meinem Verständnis wären. In mir kam die Antwort auf, dass ich niemanden das Himmelreich verwehren kann (wie Arrogant ist das denn?), dass kann nur der Herr. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer an ihn glaubt wird leben. Könnte ich jemanden nicht Bruder / Schwester nennen, der dies von Herzen glaubt, jedoch der „falschen“ Denomination angehört? Ist es nicht so, dass Jesus die menschlichen Herzen genau kennt?

Plötzlich fragte ich mich, ob Gott mich nicht genau da haben will. Ist es nicht einfach und schön  seinen Glauben in einer Christengemeinde unter lauter wiedergeborener Menschen auszuleben? Ja das ist es, aber hat Gott das vor mit mir?

Ich lasse die Meinungen der „anderen“ über die katholische Kirche jetzt außer Acht, genauso die Meinung der Kirche über die anderen Denominationen. Das ist für meine Entscheidung nicht wichtig. Wichtig ist allein, was Gott für mich vorhat.

Für mich ist die katholische Kirche eine Gemeinschaft von Gläubigen, die ihre Fehler hat. Sie steht mit Sicherheit (oftmals auch zu Recht) am Meisten in der Kritik der anderen Denominationen. Meiner Meinung nach hat sie auch den größten Teil von Namenschristen weltweit.

Dennoch – ist dies der Grund für mich als wiedergeborenen Christen diese Gemeinschaft zu verlassen. Kann dies von Gott gewollt sein? Das wir alle, die wir die Wahrheit erkannt haben eigene kleine Grüppchen aufmachen?

Jesus gab uns allen den Auftrag das Evangelium den Menschen zu verkünden. So senden wir Menschen in die entlegensten Teile der Erde – und das ist gut so. Wir stellen uns auf die Straße und erzählen jedem der es hören will (oder auch nicht) von Jesus – und auch das ist gut so.

Aber wie bitteschön können wir Salz und Licht sein, wenn wir uns in unsere Versammlungsräume setzen und fast unsichtbar von der Welt Jesus anbeten, während Millionen im eigenen Land das nicht sehen? Ist ein „Herzlich Willkommen“ Schild an der Tür wirklich genug? Ist das nicht eigentlich Flucht? Ist es nicht besser in einer Gemeinschaft zu leben, die nicht perfekt ist, die Hilfe braucht und sich dort zu engagieren? Ist es nicht besser dort geistliches Leben zu leben wo es gebraucht wird?

Ich entschied mich einfach zu gehen und zu sehen ob es Gottes Wille ist. Denn das war die einzige Antwort die ich von Gott erhielt „Geh einfach“. Ich besuchte Gottesdienste in meiner katholischen Heimatgemeinde und stellte fest, wie bemüht der Pfarrer war Jesus in den Vordergrund zu stellen. Wie sehr er Jesus als den Retter der Menschen darstellte. Das kannte ich aus meiner Heimatgemeinde nicht.

Ich freute mich sehr zu sehen, wie er versuchte den Kindern  Jesus nahe zu bringen (er unterbrach dabei den normalen Gottesdienst und fing an Stellen aus der Predigt den Kindern zu erklären). Ich beschloss mehr zu tun und wollte eine Bibelstunde besuchen. Das hab ich gestern auch getan. Zunächst war ich geschockt, denn ich war bei weitem der jüngste Besucher. Alle haben sich über meinen Besuch gefreut und mich in ihre Mitte aufgenommen. Diese Bibelstunde hat mein Herz geöffnet, denn diese Leute sprachen von Jesus, seiner Heilstat, einer Bekehrung, einer neuen Schöpfung des Menschen. Das sind Brüder und Schwestern! Kein Zweifel.

Ich sprach danach mit dem Pfarrer, der die Bibelstunde geleitet hat. Er weiß, dass von seinen 4.000 Pfarrgemeinde-Mitgliedern zum großen Teil nicht verstehen was Jesus von ihnen will. Trotz seiner Bemühungen (und er ist wirklich sehr engagiert) ist das eben so. Aber sind wir alle nicht auch sehr engagiert und dennoch nehmen viele Menschen das Evangelium nicht an? Ist das ein Grund diese Gemeinde zu meiden? Ist das nicht eher ein Grund sich hier zu engagieren und die Brüder und Schwestern zu unterstützen Gottes Werk zu tun?

Mein Verstand sagt, dass es der richtige Weg ist. Aber noch vielmehr muss ich gestehen, dass sowohl in den Gottesdiensten, als auch in der Bibelstunde mein Herz geglüht hat. Nach mehr als 10 Jahren hab ich die Eucharistie wieder für mich in Anspruch genommen und was soll ich sagen – danach war ich glücklich!

Ich weiß nicht, was Jesus für mich vor hat. Aber ich weiß, dass ich Menschen für Jesus gewinnen will. Warum sollte ich dies nicht gleich mitten in dieser Gemeinde tun?

Ein Ehepaar sagte mal zu einem Missionar, dass sie sich sehr zur Mission hingezogen fühlten. Ihnen liege Vietnam dabei sehr am Herzen. Der Missionar antwortete ihnen: Wenn Ihnen Vietnam sehr am Herzen liegt, dann fangen sie doch einfach bei den Vietnamesen in Ihrer Stadt an…

Über Pilgerer

Du willst mehr mich wissen? Warum? Was ich Dir Dir sagen kann ist, dass Gott sich mir offenbart hat. Er hat mir die Wahrheit gesagt. Jesus ist der Erlöser der Welt! Durch seinen Tod am Kreuz hat er alle Menschen erlöst, die an ihn glauben! Du musst nur glauben! Ich glaube daran. Dennoch ist mein Leben ein Pilgerpfad. Steinig und oft falle ich hin. Daran ist nicht Gott schuld. Nein ich bin es. Ich muss Ihm nur ganz vertrauen und mich ihm ganz hingeben. Aber oft folge ich ihm nicht nach und stolpere. Von diesem Pilgerpfad berichte ich in meinem Blog.
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One Response to Mein Platz?

  1. easyfisch sagt:

    Hallo Pilgerer

    Finde ich stark von dir, dass du deine Vorurteile weglegen konntest und dir von Gott Ansichten korrigieren lässt.
    Auch dein Schritt dich wieder nach einer „Familie“ zuzuwenden finde ich gut und wünsche dir auch hier eine klare Führung Gottes an deinen Platz.

    Gruss easyfisch

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